Wer in seinem Heimnetzwerk Werbung, Tracker und schädliche Domains auf Netzwerkebene blockieren möchte, kommt früher oder später an zwei Tools nicht vorbei: Pi-hole und/oder AdGuard Home. Beide laufen lokal bei euch zu Hause – zum Beispiel auf einem Raspberry Pi oder als Docker-Container – und schützen damit alle Geräte im Netzwerk gleichzeitig: PC, Smartphone, Tablet, Smart-TV und Co.
In diesem Beitrag vergleiche ich beide Tools direkt miteinander, zeige euch die wichtigsten Unterschiede auf und helfe euch, die richtige Entscheidung für euren Anwendungsfall zu treffen.
💡 Kurz erklärt: Was ist DNS-Blocking?
Jedes Mal, wenn ein Gerät im Netzwerk eine Webseite aufruft oder eine App Daten lädt, stellt es eine DNS-Anfrage – es fragt quasi: „Welche IP-Adresse steckt hinter werbung-server.example.com?“ Pi-hole und AdGuard Home prüfen jede dieser Anfragen gegen Blocklisten. Bekannte Werbe- und Tracking-Domains werden einfach mit „Existiert nicht“ (NXDOMAIN) beantwortet – und schon kann die Werbung gar nicht erst geladen werden.
⚠️ Was DNS-Blocker nicht können: YouTube- und Twitch-Werbung lässt sich per DNS-Blocking nicht vollständig blockieren, da diese Werbung über dieselben Server wie der eigentliche Videoinhalt ausgeliefert wird. Dafür braucht ihr zusätzlich Browser-Extensions wie uBlock Origin.
Die beiden Kandidaten im Überblick
Pi-hole
Open Source · Community-Projekt · v6 (2025)
- Der Pionier im DNS-Blocking
- Riesige Community & Dokumentation
- Sehr modularer Aufbau
- Ab v6 kompakter (FTL-Binary)
- Detaillierte Statistik-Dashboards
- Gravity Sync für Cluster-Betrieb
AdGuard Home
Open Source · AdGuard Team · seit 2018
- Modernes, aufgeräumtes Interface
- Natives DNS-over-HTTPS/TLS/QUIC
- Einfacher Service-Blocker (TikTok, WhatsApp…)
- Einzel-Datei (Go Binary) – läuft überall
- Zeitpläne & Kindersicherung integriert
- Sehr geringer RAM-Verbrauch (~67 MB)
Detaillierter Feature-Vergleich
| Kriterium | Pi-hole v6 | AdGuard Home |
|---|---|---|
| Erstveröffentlichung | 2015 | 2018 |
| Programmiersprache | PHP / C (FTL-Binary) | Go (eine einzige Binary) |
| RAM-Verbrauch | ~9 MB (FTL-Prozess) | ~67 MB (alles-in-einem) |
| DNS over HTTPS (DoH) | ⚠ Nur via Dritttools (z.B. cloudflared) | ✔ Nativ integriert |
| DNS over TLS (DoT) | ⚠ Nur via Dritttools | ✔ Nativ integriert |
| DNS over QUIC (DoQ) | ✘ Nicht verfügbar | ✔ Nativ integriert |
| Standard-Blockliste | Steven Black List (~84.000 Domains) | Eigene Liste (~162.000 Domains) |
| Eigene Blocklisten | ✔ Ja | ✔ Ja |
| Service-Blocker (TikTok, WhatsApp etc. per Klick) | ✘ Nicht vorhanden | ✔ Integriert |
| Zeitpläne für Blockierungen | ✘ Nicht nativ | ✔ Integriert |
| Client-Gruppen | ✔ Gut umgesetzt | ⚠ Vorhanden, etwas komplexer |
| Abfrageprotokoll / Logs | ✔ Detailliert | ✔ Detailliert & übersichtlich |
| IP-Anonymisierung im Log | ✔ Ja | ✔ Ja |
| DHCP-Server | ✔ Optional | ✔ Optional |
| Gravity Sync / Cluster | ✔ Gravity Sync verfügbar | ✘ Nicht unterstützt |
| Benutzeroberfläche | Statistik-fokussiert, feature-reich | Modern, aufgeräumt, intuitiv |
| Portabilität | Linux-basiert | Go Binary – läuft auf fast allem |
| Erweiterte Einstellungen | ✔ Sehr umfangreich | Weniger, aber ausreichend |
| Community & Support | ✔ Sehr groß | ✔ Aktiv & wachsend |
| Docker-Support | ✔ Ja | ✔ Ja |
Der wichtigste Unterschied: DNS-Verschlüsselung
Das ist aus meiner Sicht der entscheidende Punkt. Beim klassischen DNS over UDP werden eure Anfragen im Klartext übertragen – euer Internetanbieter (und jeder dazwischen) kann mitsehen, welche Domains ihr aufruft.
AdGuard Home unterstützt nativ und ohne Zusatzsoftware:
- DNS over HTTPS (DoH) – DNS-Anfragen versteckt im HTTPS-Verkehr
- DNS over TLS (DoT) – verschlüsselt über Port 853
- DNS over QUIC (DoQ) – neuestes Protokoll, teilweise schneller
Bei Pi-hole geht das zwar auch, aber nur wenn ihr zusätzlich Tools wie cloudflared oder Unbound installiert und konfiguriert. Das ist machbar, aber ein deutlicher Mehraufwand und ich hab kein Bock auf Arbeit.
Super Tipp: Welche DNS-Server sollte ich für AdGuard Home nutzen? Cloudflare (1.1.1.1), Google (8.8.8.8) und Quad9 (9.9.9.9) bieten alle DoH und DoT an. Wer besonderen Wert auf Datenschutz legt, sollte Quad9 oder einen Nicht-US-Anbieter bevorzugen.
Service-Blocker: TikTok weg mit einem Klick
Eine der praktischsten Funktionen von AdGuard Home ist der integrierte Service-Blocker. Damit könnt ihr mit einem einzigen Klick ganze Dienste sperren – ohne Domains zu suchen oder Regex-Regeln zu schreiben:
- TikTok
- Instagram / Facebook
- WhatsApp / Telegram / Signal
- Gaming-Plattformen (Steam, Ubisoft, etc.)
- …und viele viele mehr
Kombiniert mit dem integrierten Zeitplan lässt sich zum Beispiel einstellen: TikTok ist nach 22 Uhr gesperrt – ideal für Familien mit Kindern.
Pi-hole bietet dafür keine native Funktion. Ihr müsst selbst entsprechende Domains recherchieren und in Blocklisten eintragen.
Gruppen & Client-Verwaltung
Beide Tools erlauben es, einzelne Geräte (Clients) unterschiedlich zu behandeln – z.B. striktere Regeln für Kinder-Tablets als für den eigenen PC.
Bei Pi-hole ist die Gruppenlogik klarer strukturiert: Clients lassen sich übersichtlich Gruppen zuordnen, jede Gruppe bekommt ihre eigenen Blocklisten. Das ist einfacher zu überblicken.
Bei AdGuard Home gibt es per-Client-Einstellungen und Filterregeln, diese sind aber etwas verschachtelter und erfordern etwas Einarbeitung. Dafür lässt sich hier per Regex sehr präzise filtern.
Hardware: Wo kann ich das betreiben?
Grundsätzlich eignet sich beides für dieselbe Hardware. Beide sind so ressourcenschonend, dass ihr nie an Grenzen stoßt – selbst in kleinen Unternehmen nicht.
Raspberry Pi 3B+ oder neuer reicht vollkommen aus. Der Klassiker für zu Hause.
Empfohlen für Einsteiger
Docker / Portainer Beide gibt’s als offizielle Container-Images. Läuft auf NAS, Proxmox, Homelab-Server.
Empfohlen für Fortgeschrittene
NAS (Synology, UGreen NAS) Per Docker-Container problemlos installierbar, sofern Docker unterstützt wird.
Platzsparend
Proxmox / VM Als leichtgewichtige VM oder LXC-Container – ideal für Homelab-Nutzer.
Maximale Flexibilität
Performance & Ressourcenverbrauch
Wer sich Sorgen um die Performance macht: unbegründet. DNS-Anfragen zu verarbeiten ist eine extrem leichte Aufgabe. Beide Tools cachen aufgelöste Domains, sodass nicht bei jeder Anfrage upstream gefragt werden muss.
- Pi-hole (FTL-Prozess): ~9 MB RAM – wahnsinning schlank
- AdGuard Home (Go Binary): ~67 MB RAM – immer noch völlig vernachlässigbar
- CPU-Last: Auch bei hunderten gleichzeitiger Anfragen marginal
Selbst auf einem alten Raspberry Pi 3 läuft beides butterweich. Wer nicht gerade auf einem Kühlschrank hostet, wird kein Performance-Problem haben.
Datenschutz & Logging
Beide Tools loggen standardmäßig, welcher Client welche Domain aufgerufen hat. Das ist nützlich zur Diagnose, kann aber datenschutzrechtlich relevant sein – insbesondere im gewerblichen Einsatz.
Sowohl Pi-hole als auch AdGuard Home erlauben es:
- Client-IP-Adressen zu anonymisieren
- Logs nach einer definierten Zeit automatisch zu löschen
- Das Logging komplett zu deaktivieren
Für den Privatgebrauch ist das meistens nicht relevant. Im Unternehmen oder bei Familien sollte man zumindest die Anonymisierung aktivieren.
Security Tipp: Die Blocklisten enthalten nicht nur Werbedomains, sondern auch bekannte Malware-, Phishing- und Botnet-Domains. Ein DNS-Blocker ist damit auch ein kostengünstiger erster Schutz vor Schadcode – vor allem für IoT-Geräte, die sich nicht anderweitig schützen lassen.
🏁 Fazit: Welches Tool soll ich nehmen?
AdGuard Home ist meine klare Empfehlung für 2026 – und das aus einem einfachen Grund: Die native Unterstützung für verschlüsseltes DNS (DoH, DoT, DoQ) ist ein riesiger Vorteil. Wer will, dass seine DNS-Anfragen nicht beim ISP oder öffentlichen DNS-Servern im Klartext ankommen, kommt um AdGuard Home kaum herum – zumindest nicht ohne Extrakonfiguration.
Dazu kommen das modernere Interface, der praktische Service-Blocker und die integrierten Zeitpläne. Die Go-Binary macht das Deployment auf nahezu jeder Hardware zum Kinderspiel.
Pi-hole ist keineswegs schlechter – es ist stabiler, hat eine deutlich größere Community, bietet mehr Tiefenkonfiguration und schlägt AdGuard Home beim RAM-Verbrauch. Wer Pi-hole kennt, liebt es. Und wer Clustering mit Gravity Sync braucht, ist bei Pi-hole besser aufgehoben.
Für den Einstieg gilt: Ein einzelner AdGuard Home-Container auf einem Raspberry Pi oder NAS reicht für euer Heimnetzwerk absolut aus. Sache erledigt. 🎉



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