Der UGREEN NASync DXP4800 GT ist das zweite Modell aus der neuen GT-Serie, das ich auf den Tisch bekommen habe – nach dem DXP2800 GT jetzt also die 4-Bay-Variante. Und ich kann gleich vorweg sagen: Das ist nicht einfach ein DXP4800 mit anderer CPU. UGREEN hat hier komplett neu konstruiert. Andere Plattform, andere Storage-Anbindung, anderes Netzwerk-Setup. Wer bisher den DXP4800 (N100) oder den DXP4800 Plus (Pentium Gold) im Auge hatte, sollte sich diesen Test in Ruhe anschauen.
Das Testgerät kam als Pre-Release-Sample mit UGOS 1.15.20.0004, Debian 12, Kernel 6.18.15. SSH-Zugang war freigeschaltet, also gibt’s wie gewohnt einen tiefen Blick in die Hardware.
Auf einen Blick: was das DXP4800 GT besonders macht
- AMD Ryzen Embedded R2514 (Zen+, 4C/8T) statt Intel – identische CPU wie im DXP2800 GT
- 2× 10 Gigabit Ethernet (Aquantia AQC113) – das gab’s bisher in dieser Preisklasse nicht
- 4× SATA über ASMedia ASM1164 (PCIe Gen3 x2) statt direkt am Chipsatz
- ASMedia ASM806a PCIe-Switch als Hub – mit 5 ungenutzten Ports für künftige Erweiterungen
- 2× M.2 NVMe PCIe Gen3 x2 (downgraded von Gen4 x4)
- 8 GB DDR4-3200 SODIMM ab Werk, 1 Slot, laut DMI max. 32 GB (UGREEN bewirbt 64 GB)
- 64 GB eMMC für UGOS, Realtek HD-Audio onboard





Hardware im Detail
Mainboard & BIOS
Das Mainboard meldet sich als UGREEN DXP4800 GT V0.11 20260408 mit BIOS Revision 5.24 und Firmware Rev 0.7 (SMBIOS 3.4.0). Die Versionsnummern verraten: frischer als das DXP2800 GT-Board. UGREEN hat hier offenbar nochmal nachgelegt, was Layout und Komponenten angeht.
| System | Wert |
|---|---|
| Modell | UGREEN DXP4800 GT |
| Mainboard | UGREEN DXP4800 GT V0.11 20260408 |
| BIOS-Revision | 5.24 |
| Firmware | Rev 0.7 |
| SMBIOS | 3.4.0 |
| OS | UGOS 1.15.20.0004 / Debian 12 |
| Kernel | 6.18.15 |
CPU: AMD Ryzen Embedded R2514
Hier wird’s interessant: Der DXP4800 GT verwendet exakt dieselbe CPU wie das kleinere DXP2800 GT – einen AMD Ryzen Embedded R2514. Das ist ein Zen+-Quadcore mit 8 Threads, 2,1 GHz Basistakt und Boost bis 3,7 GHz. TDP konfigurierbar zwischen 12 und 25 Watt. FP5-Sockel, gelötete Variante. Microcode-Version: 0x0810810e – einen Tick neuer als beim DXP2800 GT (0x08108109).
vendor_id : AuthenticAMD
cpu family : 23
model : 24
model name : AMD Ryzen Embedded R2514
stepping : 1
microcode : 0x0810810e
cpu MHz : 2100.000 - 3700.000
cache size : 512 KB
cpu cores : 4
siblings : 8iGPU: AMD Radeon Vega (Picasso/Raven 2)
Wie beim DXP2800 GT sitzt eine integrierte Vega-Grafik im Package. Reicht für Hardware-Transkodierung von H.264/H.265, ist aber kein Plex-Powerhouse. Für gelegentliche Video-Streams im LAN ausreichend, für 4K-Transcoding mehrerer Streams wird’s eng.
RAM: 8 GB DDR4-3200, 1 Slot belegt
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Verbauter Speicher | 1× 8 GB DDR4-3200 SODIMM |
| Hersteller | Kimtigo (KT8GS4AE8) |
| Slots | 1 belegt, 1 leer (laut UGREEN) |
| Max. lt. DMI | 32 GB |
| Max. lt. UGREEN-Spec | 64 GB |
| Kanäle | Single-Channel ab Werk |
Hinweis: Das DMI/SMBIOS meldet maximal 32 GB. UGREEN bewirbt in den offiziellen Specs aber 64 GB. Mit großer Wahrscheinlichkeit unterstützt der R2514 auch 64 GB – das DMI ist hier vermutlich konservativ ausgelesen. In der Praxis sollten 32 GB Module also funktionieren. Wer es ganz sicher haben will: erst mit 16 GB starten und sich nach oben tasten.
Storage: ASMedia ASM1164 für SATA – das ist neu!
Hier hat UGREEN das Konzept komplett geändert. Während der alte DXP4800 (N100) die SATA-Ports noch direkt am Intel-Chipsatz hängen hatte, kommt jetzt ein ASMedia ASM1164 zum Einsatz:
| Speicher | Anbindung | Details |
|---|---|---|
| 64 GB eMMC | onboard | UGOS-System (CG1051) |
| 4× SATA Bays | ASMedia ASM1164 | PCIe Gen3 x2 (Shared Lanes) |
| 2× M.2 NVMe | direkt CPU | PCIe Gen3 x2 (downgraded von Gen4 x4) |
Der ASM1164 ist ein 4-Port SATA-Controller, der über PCIe Gen3 x2 angebunden ist. Theoretisch reicht das für ~1,6 GB/s aggregiert – also locker genug für 4 HDDs (gemeinsam ~800 MB/s sequenziell) oder 4 SATA-SSDs (Limit bei ca. 1,6 GB/s). Im Test mit 4× Seagate IronWolf 4 TB war das absolut unauffällig.
Interessant: Der AMD-FCH-eigene SATA-Controller ist ebenfalls vorhanden, aber nicht in Benutzung. Ein theoretischer Hardware-Reserve-Port für UGREEN, falls sie später was nachschieben wollen.
Netzwerk: 2× 10 GbE – das Killer-Feature
eth0: 6c:1f:f7:ab:45:ed (DOWN im Test)
eth1: 6c:1f:f7:ab:45:ee (Up, 10 Gbit/s)Zwei Aquantia AQC113 10-GbE-Controller, angebunden über den ASMedia ASM806a PCIe-Switch. Das ist eine ziemlich elegante Lösung: Der ASM806a ist ein 6-Port-Switch, der zwei Ports an die 10-GbE-Chips weiterleitet. 5 weitere Ports sind aktuell ungenutzt – möglicherweise Reserven für Frontpanel-Anschlüsse oder künftige Modellvarianten.
Was geht damit?
- Link Aggregation (LACP) für ~18 Gbit/s Gesamtbandbreite an einem Switch
- Multi-Path-Setups mit zwei separaten Subnets
- iSCSI Multipathing für Virtualisierungs-Backends
- Direct-Attach zu zwei verschiedenen Servern
Im Heimsetup wahrscheinlich Overkill. Im kleinen Büro oder im Editing-Setup mit mehreren Workstations: ein echter Gamechanger.
Sensoren & Kühlung (Idle-Werte)
CPU Tdie: 55,9 °C
CPU Tctl: 55,9 °C
NVMe 1: 45,9 °C
eth0 (PHY): 51 °C
eth1 (PHY): 57 °C
GPU edge: 55 °CIm Vergleich zum DXP2800 GT (CPU 49-62 °C) sind die Werte am unteren Ende – das größere Gehäuse mit mehr Lüftungsfläche und potenziell stärkerem Lüfter zahlt sich aus. Die Idle-Verbrauchsmessung mit Strommessgerät reiche ich nach, der erste Eindruck: deutlich kühler als der kleine Bruder.
USB
Bis zu 5× USB 3.1 Gen 2 + 6× USB 2.0 stehen am AMD Raven-Controller bereit. Wieviele davon UGREEN nach außen führt, hängt vom Front- und Rückpanel ab.
Benchmarks
Sysbench CPU
| Test | DXP4800 GT | DXP2800 GT |
|---|---|---|
| 1 Thread (Prime 10k) | 1.847 events/s | 1.858 events/s |
| 8 Threads (Prime 10k) | 6.657 events/s | 5.410 events/s |
Überraschung: Trotz identischer CPU liefert das DXP4800 GT bei Multi-Thread satte +23 % mehr Performance. Wahrscheinliche Ursachen:
- Bessere Kühlung im 4-Bay-Gehäuse → höhere und länger gehaltene Boost-Frequenzen
- 8 Cooling-Devices im sysfs (DXP2800 GT hat weniger) → feinere Thermal-Steuerung
- schedutil-Governor statt performance scheint paradoxerweise besser zu skalieren
Der Single-Thread-Wert bleibt allerdings unter dem N100 des Vorgänger-DXP4800 – hier zieht der acpi-cpufreq-Bug bei AMD Embedded weiterhin Performance. Workaround per amd_pstate=active würde das vermutlich beheben, lässt sich aber im UGOS nicht ohne Weiteres setzen.
Memory
Memory: 21.043 MiB/s (1M Block, 10 GB Transfer, 1 Thread)Identisch zum DXP2800 GT (~21 GB/s). Single-Channel DDR4-3200 ist hier das Limit. Wer beide RAM-Slots bestückt, sollte deutlich mehr sehen – ca. 35-40 GB/s wäre realistisch im Dual-Channel.
NVMe (Samsung 990 PRO 1 TB, fio 1M iodepth=32 read)
1.645 MB/s sequenziell lesenWie erwartet am PCIe Gen3 x2-Limit. Die 990 PRO könnte eigentlich 7 GB/s, hier sind ~1,6 GB/s das Ende der Fahnenstange. Das ist KEIN Konfigurationsfehler, sondern eine bewusste Entscheidung von UGREEN, um die wertvollen PCIe-Lanes auf die 10-GbE-Chips zu verteilen. Für reines NAS-Storage über 10 GbE (max. ~1,2 GB/s) ist das ohnehin mehr als genug.
iperf3 10-GbE-Durchsatz
| Test | Durchsatz | Retries |
|---|---|---|
| 1 Stream, 30 s | 9,34 Gbit/s (~1.168 MB/s) | 5.394 |
| 4 Streams, 10 s | 9,41 Gbit/s (~1.176 MB/s) | 3.486 |
| 4 Streams Reverse | 9,41 Gbit/s (~1.176 MB/s) | 0 |
Volle Wirespeed in beiden Richtungen. Beim Senden mit nur einem Stream sehen wir allerdings deutlich mehr Retransmits als beim DXP2800 GT (0 Retries). Beim Empfang dagegen sauber. Mögliche Ursachen: anderer PCIe-Pfad über den ASM806a-Switch, etwas wärmerer AQC113 (57 °C an eth1) oder eine andere TX-Buffer-Konfiguration. Stört in der Praxis nicht – die Bruttodaten landen alle an. Sollte UGREEN aber im finalen Release noch tunen.
Dual-10-GbE-LACP-Tests folgen, sobald ich beide Ports gleichzeitig verkabelt habe.
Vergleich: DXP4800 vs. DXP4800 Plus vs. DXP4800 GT
| Spec | DXP4800 | DXP4800 Plus | DXP4800 GT (Test) |
|---|---|---|---|
| CPU | Intel N100 | Intel Pentium Gold 8505 | AMD Ryzen Embedded R2514 |
| Kerne / Threads | 4C / 4T | 5C / 6T (1P+4E) | 4C / 8T |
| Takt | 0,8 – 3,4 GHz | 1,2 – 4,4 GHz | 2,1 – 3,7 GHz |
| Architektur | Alder Lake-N (Gracemont) | Alder Lake-U | Zen+ (Picasso) |
| TDP | 6 W | 15 W | 12 – 25 W (konfigurierbar) |
| iGPU | UHD (24 EU) | UHD (48 EU) | Radeon Vega (Picasso) |
| RAM (Standard) | 8 GB DDR5 | 8 GB DDR5 | 8 GB DDR4-3200 |
| RAM-Slots | 1 | 2 | 2 (UGREEN: 64 GB) / DMI: 32 GB |
| RAM Max. | 16 GB | 64 GB | 32 / 64 GB |
| Storage Bays | 4× SATA | 4× SATA | 4× SATA (via ASM1164) |
| M.2 NVMe | 2× Gen3 x1 | 2× Gen3 x2 | 2× Gen3 x2 |
| Netzwerk | 2× 2,5 GbE | 1× 10 GbE + 1× 2,5 GbE | 2× 10 GbE |
| USB max. Speed | 10 Gbit/s | 10 Gbit/s | 10 Gbit/s |
| HDMI | 4K @ 60 Hz | 4K @ 60 Hz | 4K (HDMI vorhanden) |
| Leistungsaufnahme | 22 / 52 W (Idle/Last) | ~25 / 60 W (geschätzt) | ?? |
Welches Modell für wen?
DXP4800 (N100) ist nach wie vor das Preis-Leistungs-Gerät der Serie. Für einfache Backups, Foto-Mediathek, Plex-Server für 1–2 Streams und Office-Workloads vollkommen ausreichend. Mit 2× 2,5 GbE auch im LAN flott unterwegs.
DXP4800 Plus ist die Brücke: mehr CPU-Leistung, 10 GbE für ein Endgerät, mehr RAM-Slots, mehr iGPU für Hardware-Transcoding. Das war bisher die Empfehlung für alle, die mehr wollten als das Basis-Modell.
DXP4800 GT spielt in einer anderen Liga: Dual-10-GbE ist ein Setup für Studios, Editor-Workstations, kleine Büros mit mehreren parallelen Clients. Die R2514-CPU liefert solide Multi-Thread-Leistung (besser als Pentium Gold bei stark parallelen Workloads), bei Single-Thread allerdings unter dem N100 (acpi-cpufreq-Issue). Und: M.2 NVMe ist Gen3 x2 statt Gen3 x1 wie beim N100-Modell, also ~3× schneller.
Pro & Contra
Pro DXP4800 GT:
- Einzige bezahlbare 4-Bay-NAS mit zwei 10-GbE-Ports
- Multi-Thread-Performance +23 % besser als DXP2800 GT (8 Threads über AMD SMT)
- ASMedia ASM1164 SATA-Controller solide angebunden über PCIe Gen3 x2
- ASMedia ASM806a Switch mit 5 ungenutzten Ports → späteres Erweiterungspotenzial
- M.2 NVMe Gen3 x2 (~1,6 GB/s, doppelt so schnell wie beim N100-Modell)
- Reichlich Kühlreserven (Idle-Temps unter dem DXP2800 GT)
Contra:
- Single-Thread-Leistung der R2514 unter dem N100 (acpi-cpufreq-Bug auf AMD Embedded)
- Single-Channel-RAM ab Werk – Performance bleibt unter den Möglichkeiten
- DMI meldet 32 GB als max. RAM (UGREEN bewirbt 64 GB) – noch zu verifizieren
- DDR4 statt DDR5 (zukunftssicher ist das nicht mehr)
- Mehr iperf3-Retransmits beim Senden mit einzelnem Stream als beim DXP2800 GT
- Pre-Release-BIOS – manche Tuning-Optionen wie
amd_pstate=activeaktuell nicht zugänglich
Mein Fazit
Das UGREEN DXP4800 GT ist die radikalste Neuauflage in der 4-Bay-Serie bisher. Nicht „DXP4800 mit Update“, sondern eine eigene Klasse: AMD-Plattform, ASMedia-Storage-Controller, ASMedia-PCIe-Switch, zwei native 10-GbE-Ports. UGREEN baut hier offensichtlich ein NAS für ein Publikum, das bisher zu QNAP TVS-h-Modellen oder Synology DS1522+ gegriffen hat – nur deutlich günstiger.
Der R2514 ist für die meisten Heimanwender Overkill, für Studios und kleine Büros mit echten Multi-Client-Anforderungen aber genau richtig. Wer zwei Workstations gleichzeitig mit 10 GbE bedienen will (Schnittplatz + zweite Edit-Station, oder Hauptarbeitsplatz + VM-Host), bekommt das hier zum NAS-Preis.
Wer nur ein einfaches 4-Bay-Backup-NAS sucht, ist mit dem DXP4800 weiterhin gut bedient. Wer mehr CPU-Reserve, 10 GbE für einen Client und HW-Transcoding will, bleibt beim DXP4800 Plus. Wer die Bandbreite über mehrere Wege gleichzeitig will, kommt am DXP4800 GT nicht vorbei.
Detaillierte Specs und alle Messwerte gibt’s wie immer auf der Produktseite bei hardware64.de.



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