Kann man ein Elektroauto mit einem faltbaren Solarpanel laden? Ich habe es ausprobiert – mit der EcoFlow Delta 3 Classic Powerstation und dem 220W Faltpaneel. Das Ergebnis hat mich ehrlich gesagt überrascht.
Die Idee: Faltpanel (Solar) → Powerstation → Opel Rocks
Wer meinen Kanal kennt, weiß: Ich fahre einen Opel Rocks E – das kleine Stadtflitzer-EV, das sich über einen ganz normalen Schuko-Stecker laden lässt. Keine Wallbox, kein Typ-2-Kabel, kein Schnarchladegerät. Einfach Schuko rein, fertig.
Und genau da hatte ich irgendwann den Gedanken: Wenn das Ding mit Haushaltssteckdose läuft – könnte man das dann nicht auch mit einer Powerstation befeuern? Und wenn man eine Powerstation hat, könnte man die dann nicht auch mit Solarenergie laden?
EcoFlow hat mich sowieso mal wieder angeschrieben und gefragt, ob ich nicht eine ihrer Powerstations auf dem Kanal zeigen will. Meine Antwort: „Nur wenn wir dabei auch wirklich was Cooles bauen. Die nächste 08/15-Powerstation braucht kein Mensch.“ Die Antwort war dann: Das faltbare 220W Solarpanel plus die neue Delta 3 Classic. Deal.
Die Hardware im Überblick
EcoFlow Delta 3 Classic (1.024 Wh)
Die Delta 3 Classic ist das kleinste Modell der aktuellen Delta-3-Familie und gleichzeitig vermutlich das interessanteste für alle, die nicht gleich das dickste Gerät kaufen wollen. Sie kommt mit 1.024 Wh Kapazität, gebaut auf LFP-Zellen (Lithium-Eisenphosphat) der neuesten Generation.
Die wichtigsten technischen Daten auf einen Blick:
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Kapazität | 1.024 Wh |
| Akkutyp | LiFePO4 (LFP), 16 Zellen |
| AC-Ausgangsleistung (Nennwert) | 1.800 W (reiner Sinus) |
| AC-Spitzenleistung | 3.600 W |
| Max. Leistung mit X-Boost | 2.400 W |
| AC-Ausgänge | 2× Schuko (230 V, 50 Hz) |
| USB-C | 1× 100 W + 1× 30 W |
| USB-A | 1× 12 W |
| Laden via AC (0–80 %) | ca. 45 Minuten |
| Laden via AC (0–100 %) | ca. 60 Minuten |
| AC-Eingang | 1.400 W max. |
| Solar-Eingang | 500 W max. (11–60 V DC, XT60) |
| Fahrzeugladung | 500 W |
| USV-Umschaltzeit | < 10 ms |
| Gewicht | 12,1 kg |
| Abmessungen | 398 × 200 × 283 mm |
| Lautstärke (< 600 W Last) | < 30 dB |
| Ladezyklen (bis 80 % Kapazität) | 4.000+ |
| Erwartete Lebensdauer | > 10 Jahre |
Was mich an der Classic besonders interessiert hat: X-Boost. Das ist EcoFlows Technologie, um Geräte mit höherem Strombedarf trotzdem zu versorgen – bis zu 2.400 W an einem einzelnen Gerät. Der Opel Rocks lädt am Schuko mit ca. 1,4–1,8 kW. Das passt also genau.
Hinzu kommt die integrierte USV-Funktion mit unter 10 ms Umschaltzeit – für eine Powerstation in dieser Preisklasse ein echter Bonus.
- Stromversorgung für jedes Outdoor-Szenario: Der EcoFlow DELTA 3 Classic liefert eine Dauerleistung von 1800 W (3600 W Spitzenleistung) und X-Boost kann den Ausgang auf bis zu 2 400 W erweitern, um auch starke Verbraucher problemlos zu bewältigen, um wichtige Geräte wie Kühlboxen, Mikrowellen, Laptops und mehr zu betreiben.
EcoFlow 220W Bifaziales Faltpaneel
Das zweite Teil des Setups: das EcoFlow 220W faltbare Solarpanel in der bifazialen Variante. „Bifazial“ bedeutet, dass beide Seiten Sonnenlicht aufnehmen können – die Vorderseite liefert bis zu 220 W, die Rückseite nochmal bis zu 155 W durch Streulicht und Reflexionen.
Technische Daten:
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Nennleistung Vorderseite | 220 W (±5 W) |
| Nennleistung Rückseite | 155 W (±5 W) |
| Leerlaufspannung | 21,8 V |
| Kurzschlussstrom (Vorderseite) | 13 A |
| Kurzschlussstrom (Rückseite) | 8,8 A |
| Wirkungsgrad | 22–23 % |
| Zelltyp | Monokristallines Silizium |
| Steckertyp | XT60 (kompatibel mit EcoFlow Powerstations) |
| Schutzklasse | IP68 |
| Abmessungen (gefaltet) | ca. 42 × 68 × 2,4 cm |
| Abmessungen (aufgeklappt) | ca. 183 × 82 cm |
| Gewicht | 9,5 kg |
| Temperaturbereich | −20 °C bis +85 °C |
| Hitzbeständigkeit (Glas) | bis 149 °C |
Das Panel besteht aus 4 Segmenten, die sich zusammenfalten lassen und in einer Schutztasche transportiert werden – die Tasche dient gleichzeitig als Aufständerung. Die IP68-Zertifizierung bedeutet: staubbicht und wasserdicht. Kann also auch bei schlechterem Wetter draußen bleiben.
- 2-in-1-Bifazial-Design: Mit Vorder- und Rückseite, die Umgebungslicht erfasst, liefert das EcoFlow 220 W leichte Solarpanel bis zu 243 W unter BNPI-Testbedingungen. Es erzeugt mehr Strom aus derselben Menge Sonnenlicht als herkömmliche monofaziale Panels. Die führende N-Typ-Solartechnologie ermöglicht eine hohe Umwandlungseffizienz von bis zu 25 % und ermöglicht es, Powerstations schneller aufzuladen.
Der Test am Hafen: Solar-Laden in der Praxis
Ich bin zum Hafen gefahren – nicht weil das irgendwie romantisch klingt, sondern weil ich da einfach in Ruhe parken und das Experiment aufbauen kann, ohne dass mir jemand vor die Kamera läuft.
Ausgangslage: Delta 3 Classic mit exakt 0 % geladen. Wirklich null. Das Auto hat noch ca. 35 km Restreichweite, reicht also für die Rückfahrt – aber darum geht’s gar nicht. Ich will sehen, ob das Konzept funktioniert.
Aufbau
Das Solarpanel habe ich einfach quer über das Dach des Opel Rocks gelegt. Eigentlich ist das Ding zum Aufstellen gedacht – mit dem integrierten Ständer. Aber für diesen Test war die Autodach-Variante ausreichend. Die 4 Segmente des Panels lassen sich aufdrücken und aufklappen, das Kabel war vom Dach aus gerade so lang genug, um die Powerstation auf dem Boden daneben zu versorgen.
Stecker rein, Powerstation anschalten – und schon: 160 Watt Eingangsleistung direkt nach dem Einschalten. Nicht übel für ein Panel, das ich quasi einfach hingeworfen habe.
Laden der Powerstation
Nach kurzer Optimierung der Panel-Ausrichtung (ich habe es leicht schräger gestellt, damit der Einfall besser passt) kamen bis zu 180 Watt rein. Das Panel kann theoretisch 220 W – aber bei einer Außentemperatur, die an diesem Tag locker Richtung 30 °C ging, verlieren Solarzellen etwas Effizienz. Kühler wäre mehr gewesen.
Nach ca. 30 Minuten war die Delta 3 Classic bei 12 % – also rund 120 Wh geladen. Das passt zur Rechnung: 175 W × 0,5 h × (etwas Verlust) ≈ 80–90 Wh netto, plus Anlaufleistung beim Einschalten. Die App zeigte übrigens noch ca. 6 Stunden bis zur Vollladung an – was ebenfalls plausibel ist: 1.024 Wh ÷ 175 W ≈ ~6 h.
Jetzt das Entscheidende: Auto laden
Der Opel Rocks hat einen Schuko-Ladeanschluss – mit integriertem Schutzschalter, für den Außenbetrieb ausgelegt. Ich habe also einfach das Schukokabel der Powerstation in den Ladeeingang gesteckt, den AC-Ausgang aktiviert – und dann ist das passiert, womit ich ehrlich gesagt nicht so direkt gerechnet hatte:
1,7 kW Ausgangsleistung – der Opel Rocks hat sofort angefangen zu laden. Vollgas. Mit X-Boost hat die Delta 3 Classic das Fahrzeug direkt auf volle Ladeleistung gebracht, die der Rocks über Schuko annimmt.
Parallel kamen noch immer ~175 W vom Solarpanel rein. Das heißt: Die Powerstation hat gleichzeitig Sonne geschluckt und das Auto gespeist – auch wenn natürlich der Ausgang (1,7 kW) den Eingang (175 W) bei weitem überstiegen hat. Die Delta 3 Classic war logischerweise nach kurzer Zeit wieder leer. Aber:
Ergebnis: +3 km Reichweite – von ca. 33 km auf 36 km. In der Zeit, die das Setup stand. Danach hat die Powerstation wieder angefangen, Solarstrom zu sammeln.
Fazit: Funktioniert – aber mit realistischen Erwartungen
Das Experiment hat wunderbar funktioniert. Und ich sage das nicht, weil EcoFlow mir die Hardware geschickt hat, sondern weil mich ehrlich überrascht hat, wie problemlos und direkt das alles geklappt hat.
Ein paar ehrliche Einschätzungen dazu:
Was gut funktioniert:
- Der Opel Rocks lässt sich problemlos über eine Powerstation laden – Schuko ist Schuko.
- X-Boost liefert tatsächlich die benötigte Leistung ohne Probleme.
- Das 220W Solarpanel bringt am Hafen im Sommer locker 160–180 W realen Ertrag.
- Die App von EcoFlow ist übersichtlich und zeigt alles Relevante in Echtzeit.
Was realistisch zu erwarten ist:
- Mit dem 220W Panel und der Delta 3 Classic dauert eine vollständige Fahrzeugladung mehrere Tage – das ist kein Schnellladesystem.
- Bei kühleren Temperaturen (−10 bis −15 °C weniger als Sommerhitze) liefert das Panel mehr, nicht weniger Leistung – heißes Wetter kostet Effizienz.
- Als Notfallreserve oder „Reichweite-Retter“ im Auto macht das Ding absolut Sinn. Im Winter ein paar zusätzliche Kilometer für den Heizlüfter oder den Heimweg – check.
Was ich empfehlen würde: Wer eine kleine Power-Backup-Lösung für das Auto sucht – sei es für den Opel Rocks, als Notstromversorgung für Heizlüfter, oder einfach als mobile Steckdose für Camping – dem reicht die Delta 3 Classic absolut aus. Wer das Auto wirklich regelmäßig per Solar laden will, braucht entweder mehr Panels oder mehr Geduld.
Die Delta Classic ist dabei die richtige Wahl aus der Serie – die kleineren River-Modelle von EcoFlow schaffen die 1,7 kW Ausgangsleistung für den Ladevorgang nämlich nicht. Das ist ein wichtiger Unterschied.
Das komplette Video
Du willst den Test live sehen? Hier ist das Video dazu:



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