Ich werde immer wieder gefragt, wohin man nach VMware wechseln soll. Meine ehrliche Antwort: Das kommt darauf an – aber nicht auf das, was die meisten denken. In diesem Artikel nehme ich zwei der momentan meistdiskutierten Alternativen auseinander: Proxmox VE und HPE Morpheus VM Essentials. Und ich sage euch am Ende, welche ich persönlich bevorzuge und warum.


Warum dieser Vergleich jetzt wichtig ist

Seit Broadcom VMware übernommen hat, hat sich die Virtualisierungswelt grundlegend verändert. Perpetual Licenses sind Geschichte, Bundle-Zwang ist Realität, und die Lizenzkosten haben sich für viele Unternehmen über Nacht vervielfacht. Ich spreche mit IT-Leitern, die mir erzählen, dass ihr VMware-Budget nach der Broadcom-Übernahme um das Drei- bis Zehnfache gestiegen ist – ohne einen einzigen neuen Feature-Vorteil.

Kein Wunder also, dass sich alle nach Alternativen umsehen. Aber genau hier passiert in meinen Augen oft der erste Fehler: Man sucht nach der günstigsten Alternative statt nach der richtigen.


Das, was kaum jemand zuerst sagt

Bevor ich in den Vergleich einsteige, möchte ich einen Punkt nennen, der mir bei diesem Thema besonders wichtig ist – und den ich in fast keinem anderen Vergleichsartikel lese:

Proxmox VE und HPE VM Essentials basieren auf demselben Kern: KVM.

KVM, Kernel-based Virtual Machine, ist der Hypervisor des Linux-Kernels. Er steckt hinter AWS, hinter Google Cloud, hinter Red Hat Enterprise Virtualization. Wenn ihr von VMware zu einer dieser beiden Lösungen wechselt, wechselt ihr zur selben zugrundeliegenden Technologie.

Was ihr also wirklich kauft, ist nicht der Hypervisor. Ihr kauft das Drumherum – das Management, das Support-Modell, das Ökosystem. Und genau da unterscheiden sich die beiden Produkte fundamental.


Direktvergleich auf einen Blick

KriteriumProxmox VEHPE Morpheus VM Essentials
LizenzOpen Source (AGPL v3)Proprietär
Hypervisor-BasisKVM + LXCHVM (KVM-basiert), nur VMs
Preis / Socket / Jahr€0 – €1.100 (Subscription optional)~$600 (inkl. Support, US-Listenpreis)
Support inklusiveNein – optional je TierJa – HPE Tech Care Essentials
Live Migration✅ Ja✅ Ja
High Availability✅ Ja✅ Ja
Container-Support✅ Ja (LXC nativ)❌ Nein
GPU-Passthrough✅ Ja (VFIO/PCIe, produktionsreif)✅ Ja (seit v8.0.5, April 2025)
VMware-Migration✅ ESXi-Import-Wizard seit v8.2 — VMs direkt aus ESXi-Knoten importieren, kein Parallelbetrieb✅ VMware + HVM gleichzeitig aus einer Oberfläche verwalten
Integriertes Backup✅ Proxmox Backup Server (kostenlos, dedupliziert)⚠️ Extern: Veeam (GA März 2026), Commvault, Cohesity
OVA/OVF-Import✅ Ja⚠️ In Entwicklung
ZFS-Support✅ Nativ❌ Nein
Ceph-Support✅ Nativ im UI, vollständig integriert⚠️ Ja, für HCI-Cluster (min. 3 Nodes, aktuell 1 Datenfestplatte/Node)
Storage (extern)NFS, iSCSI, FC, NVMe/TCP, NVMe/FC, Ceph, LVM — Multipath Active/Active & Active/PassiveNFS, iSCSI, Fibre Channel
IPAM/DNS-Integration⚠️ Manuell / via API✅ Nativ (Infoblox, BlueCat, SolarWinds)
SDN/Netzwerk✅ Open vSwitch, Linux Bridges, VLAN, VXLAN✅ Aruba CX Plugin, VLAN
REST-API✅ Vollständig✅ Vollständig
Terraform-Provider✅ Verfügbar (Community)⚠️ Eingeschränkt
Hardware-BindungKeine – vollständig agnostischOffiziell agnostisch, in der Praxis HPE-optimiert
Upgrade-PfadEigenständige PlattformMorpheus Enterprise → Private Cloud BE/AI
Produktreife15+ Jahre, sehr stabilGA seit Anfang 2025, schnell wachsend
CommunityRiesig – Forum, Reddit, YouTubeAufbauend – HPE Community, Partner-Netzwerk
Eval / TrialKostenlos, ohne Einschränkung60-Tage-Eval, 6 Sockets

Proxmox VE: Die Lösung, die ich empfehle – wenn ihr bereit seid

Ich nutze Proxmox selbst. Ich betreibe es in meinem Homelab, ich habe es in Unternehmensumgebungen gesehen und ich schreibe regelmäßig darüber. Meine Einschätzung ist also keine neutrale – und ich finde, das sollte ich sagen.

Proxmox VE gibt es seit 2008. Es ist Open Source (AGPL v3), wird von der österreichischen Proxmox Server Solutions GmbH entwickelt und kann ohne Einschränkungen heruntergeladen und produktiv eingesetzt werden – auch kommerziell, auch ohne einen Cent zu bezahlen.

Was Proxmox mitbringt

Was mich an Proxmox begeistert, ist die schiere Vollständigkeit des Pakets – ohne dass man dafür tief in die Tasche greifen muss:

  • KVM + LXC in einer Oberfläche – VMs und Container gleichzeitig, kein Wechsel zwischen Tools
  • HA-Clustering mit automatischem VM-Neustart bei Host-Ausfall
  • Live Migration – laufende VMs ohne Downtime verschieben
  • Proxmox Backup Server (PBS) – chunk-basiertes Backup mit Deduplizierung und Verschlüsselung, kostenlos inklusive
  • ZFS nativ – Snapshots, RAID-Z, Replikation, alles im UI
  • Ceph – vollständig in der Weboberfläche verwaltbar, kein Drittprodukt nötig
  • SDN mit Open vSwitch, VLANs, VXLANs
  • GPU-Passthrough via VFIO/PCIe – ich nutze das selbst, funktioniert hervorragend
  • REST-API + Terraform-Provider für alle, die Infrastruktur als Code abbilden wollen

Das sind keine abgespeckten Features einer Basisversion. Das ist der komplette Funktionsumfang, den VMware früher nur in der teuren Enterprise-Plus-Lizenz hatte.

Enterprise-Storage: Was die meisten vergessen

Ein Punkt, der in fast jeder Proxmox-Diskussion untergeht – und der für Enterprise-Umgebungen entscheidend sein kann:

Proxmox kann Storage konsumieren, wie es in echten Rechenzentren üblich ist.

Konkret bedeutet das: NVMe over Fabrics – sowohl über NVMe/TCP als auch über NVMe/FC (Fibre Channel) – ist unterstützt. Genauso klassisches Fibre Channel direkt an euren SAN-Controller. Und wer mehrere Pfade zu seinem Storage braucht, bekommt echtes Multipathing über Linux device-mapper-multipath – sowohl Active/Active als auch Active/Passive – vollständig funktionsfähig.

Ich habe das selbst mit einer NetApp in einem Active/Active-Setup ausprobiert, und es funktioniert hervorragend. Was mit NetApp ONTAP läuft, läuft mit hoher Wahrscheinlichkeit genauso mit Pure Storage, HPE Alletra oder vergleichbaren Enterprise-Arrays – denn es basiert auf Standard-Linux-Protokollen, die jeder ernst zu nehmende Storage-Hersteller unterstützt.

Der Haken: Nichts davon ist über die Proxmox-UI konfigurierbar. NVMe-oF, FC und Multipath werden auf der Kommandozeile eingerichtet – mit nvme-cli, multipath-tools und den jeweiligen Vendor-Guides. Wer das kann, bekommt Enterprise-Storage-Anbindung ohne Enterprise-Lizenzkosten. Wer das nicht kann, braucht jemanden, der es kann. Aber das ist kein Proxmox-Problem – das ist Linux, und Linux-Know-how zahlt sich aus.

Das Subscription-Modell – was man wirklich braucht

Proxmox ist kostenlos. Die Subscription ist freiwillig. Was sie bringt:

TierPreis/Socket/Jahr (netto)Support
Community€ 120Enterprise-Repo, kein Ticket-Support, kein SLA
Basic€ 3703 Tickets/Jahr, 1 Werktag Reaktion
Standard€ 55010 Tickets/Jahr, 4h Reaktion, Remote SSH
Premium€ 1.100Unlimitiert, 2h Reaktion, Offline-Key-Aktivierung

Alle Features sind in jeder Tier – auch ohne Subscription – identisch. Die Subscription schaltet den Enterprise-Repository (stabilere, geprüfte Pakete) und direkten Vendor-Support frei. Wichtig für Cluster-Betrieb: alle Nodes müssen auf demselben Subscription-Level liegen.

Meine persönliche Empfehlung für Produktivumgebungen: mindestens Community, besser Standard. Das Community-Tier kostet weniger als eine Tasse Kaffee pro Woche pro Socket und gibt euch den stabileren Update-Kanal.

Was ich ehrlich sagen muss

Proxmox gibt euch alles umsonst. Was es kostet, ist internes Know-how – und das sollte man nicht unterschätzen.

Es gibt keine grafisch geführten VMware-Parallelbetrieb-Konsolen. Aber – und das wird oft falsch dargestellt – seit Version 8.2 gibt es einen vollständigen ESXi-Import-Wizard direkt in der Proxmox-Weboberfläche. Der ESXi-Host wird als Storage-Quelle eingebunden, danach sieht man alle vorhandenen VMware-VMs und kann sie per Klick importieren – inklusive Live-Import, bei dem die VM auf Proxmox sofort startet, während die Daten noch übertragen werden. Kein Parallelbetrieb, aber ein echter, geführter Migrationspfad direkt aus dem ESXi-Knoten heraus.

Wenn etwas tiefer schiefläuft, landet man im Terminal. Wer mit journalctl, pvecm und zpool status nicht vertraut ist oder nicht vertraut werden will, braucht entweder Schulung oder einen Partner, der das übernimmt.

Das ist kein Mangel. Das ist eine Plattform, die voraussetzt, dass man seine Infrastruktur verstehen möchte.


HPE Morpheus VM Essentials: Der strukturierte Ausstieg aus VMware

HPE VM Essentials (VME) ist seit Anfang 2025 allgemein verfügbar – ein junges Produkt, das HPE direkt als VMware-Alternative positioniert hat. Dahinter steckt die Übernahme von Morpheus Data, einem etablierten Cloud-Management-Unternehmen.

Ich sage es gleich: HPE VME ist kein Proxmox mit HPE-Logo. Es ist konzeptionell anders gedacht – und das ist auch sein größter Vorteil.

Was HPE VME wirklich kann

Der entscheidende Unterschied zu Proxmox liegt nicht im Hypervisor, sondern im Managementlayer. HPE VME kann etwas, das Proxmox nicht kann:

VMware vSphere und HVM laufen parallel aus derselben Oberfläche.

Das heißt in der Praxis: Man muss nicht alles auf einmal migrieren. Bestehende VMware-VMs bleiben, neue Workloads kommen auf HVM, beide erscheinen in derselben Konsole. Migrations-Tools sind inklusive – bis zu 20 VMs gleichzeitig, mit automatischen Pre-Checks und Validierung nach der Migration.

Für Unternehmen mit hunderten von VMware-VMs und einem CISO, der keinen Big-Bang-Wechsel verantworten will, ist das ein ernstes Argument.

Der bisherige Entwicklungsweg

Was ich bemerkenswert finde: HPE liefert monatliche Releases mit echten Features:

  • v8.0.4 (März 2025) – Erstes GA-Release: HA, Live Migration, vSphere-Integration, IPAM/DNS
  • v8.0.5 (April 2025) – GPU-Passthrough mit automatischem Pooling, PCI/NVMe/USB-Passthrough, ISO-Mount
  • März 2026 – Veeam-Integration als GA, native agentlose Image-Backups

Das zeigt, dass HPE hier nicht ein Produkt veröffentlicht und es dann sich selbst überlässt.

Lizenz und Kosten

HPE setzt auf Per-Socket-Lizenzierung – als bewusstes Gegenmodell zu Broadcoms Per-Core-Ansatz:

US-Listenpreis: $600 pro CPU-Socket pro Jahr – inklusive HPE Tech Care Essentials Support.

Support ist nicht optional, er ist eingebaut. Verfügbar als 1-, 3- oder 5-Jahres-E-LTU, EU-Preise variieren je nach Partner.

Was ich kritisch sehe

HPE VM Essentials ist jung, und man merkt es an manchen Stellen. Die Installation setzt Ubuntu 22.04 als manuell vorkonfigurierte Basis auf den Hosts voraus – das ist kein Appliance-Ansatz. Erste Anwender berichten über Dokumentationslücken und nicht immer intuitive UI-Strukturen.

Container laufen auf HPE VME nicht – nur VMs. ZFS gibt es nicht nativ. Ceph ist für HCI-Setups integriert, braucht aber mindestens drei Nodes und aktuell ist nur eine Datenfestplatte pro Node konfigurierbar – verglichen mit Proxmox, wo Ceph vollständig und ohne solche Einschränkungen über die UI verwaltet wird, ein spürbarer Unterschied. Wer backup-seitig auf eine Enterprise-Lösung wie Veeam angewiesen ist, zahlt dafür extra. Das sind keine Deal-Breaker, aber Kosten und Einschränkungen, die man einplanen muss.


Der eigentliche Unterschied: Es geht nicht um Features

Hier ist das, was ich nach intensiver Beschäftigung mit beiden Plattformen als wichtigste Erkenntnis mitnehme:

Wer diesen Vergleich als Feature-Liste liest, stellt die falsche Frage.

Die richtige Frage ist: Was für ein Unternehmen seid ihr?

Typ A: Das technisch souveräne Unternehmen

Euer IT-Team kann Linux. Eure Admins sind neugierig auf die Plattform, nicht eingeschüchtert davon. Ihr habt Zeit und Bereitschaft, euch einzuarbeiten – oder tut das bereits.

Dann ist Proxmox VE meine klare Empfehlung. Mehr Features, niedrigere Lizenzkosten, vollständige Kontrolle, kein Vendor Lock-in, echtes Open Source. Und einen Support-Vertrag, den ihr nicht braucht, müsst ihr auch nicht bezahlen.

Typ B: Das VMware-geprägte Enterprise

Ihr habt 300 VMs auf vSphere. Eure Admins kennen VMware seit 15 Jahren. Euer CISO braucht ein zertifiziertes Produkt mit definiertem SLA. Ein unkontrollierter Schnellwechsel würde euer RTO gefährden.

Dann ist HPE VM Essentials die vernünftigere Wahl. Nicht weil es technisch besser ist – sondern weil es den Migrationsprozess absichert, parallelen Betrieb ermöglicht und einen mit SLA dahinter hat, wenn etwas schiefläuft.


Kostenvergleich mit echten Zahlen

Angenommen: 10 Hosts mit je 2 CPU-Sockets = 20 Sockets, je 16 Kerne pro Socket = 320 Kerne gesamt.

Ich habe die VMware-Zahlen bewusst mit in die Tabelle gepackt – nicht weil sie eine Option sein sollen, sondern damit ihr seht, was euch Broadcom gerade abknöpft. Für alle, die noch auf Bestandslizenzen sitzen und mit dem Gedanken spielen zu verlängern: Das ist kein Angebot, das ist eine Forderung.

LösungKosten/Jahr (ca.)Anmerkung
❌ VMware VCF (Broadcom)~$83.000 – $260.000Schätzung auf Basis community-verifizierter Quotes 2025; kein offizieller Listenpreis – Broadcom verhandelt individuell
❌ VMware VVF (Broadcom)~$13.000 – $61.000Schätzung; untere Grenze nur bei optimaler Verhandlungsposition erreichbar
HPE VM Essentials~$12.000$600 × 20 Sockets, Support inkl.
Proxmox Standard~€11.000€550 × 20 Sockets, 10 Tickets/Jahr
Proxmox Community~€2.400€120 × 20 Sockets, Enterprise-Repo
Proxmox ohne Subscription€ 0Voller Funktionsumfang – kein Haken

⚠️ Hinweis zu den VMware-Zahlen: Broadcom veröffentlicht keine offiziellen Preise. Die Spannen basieren auf community-verifizierten Angeboten und unabhängigen Advisory-Benchmarks (Stand 2025). Grundlage: 320 Kerne mit 16-Core-Minimum pro CPU. Euer tatsächliches Angebot hängt stark davon ab, wie glaubwürdig ihr eine Migrationsalternative auf den Tisch legen könnt.

Was diese Tabelle zeigt: VCF ist keine ernsthafte Option für vernünftige IT-Budgets. VVF kann preislich in günstigen Szenarien mit HPE VME konkurrieren – aber dann habt ihr immer noch ein proprietäres, verhandlungsabhängiges Produkt ohne Preistransparenz. Proxmox liegt in jedem Szenario darunter. Und die kostenlose Variante mit vollem Funktionsumfang hat schlicht kein Pendant auf dem Markt.


Mein Fazit – und meine klare Empfehlung

Ich werde jedem, der mich fragt, erst einmal Proxmox ans Herz legen. Nicht weil HPE VM Essentials schlecht ist – sondern weil ich denke, dass viele Unternehmen gar nicht abwägen, was sie mit Proxmox bekämen, bevor sie sich für eine Enterprise-Lösung entscheiden.

Erfahrung schlägt Marketing

Proxmox ist seit 2008 auf dem Markt. HPE VM Essentials ist seit Anfang 2025 GA. Das ist kein Kleinigkeit – das ist ein Unterschied von fast 17 Jahren Produktionsreife. In diesen 17 Jahren hat Proxmox Bugs gefixed, Edge Cases abgedeckt, Storage-Backends integriert, Clustering-Probleme gelöst, die andere noch gar nicht kennen. HPE VME ist ein ernsthaftes Produkt, aber es ist auch ein junges Produkt – und das merkt man, wenn man tiefer einsteigt.

Wir reden hier über ein europäisches Open-Source-Produkt

Das ist mir persönlich wichtig und ich finde, es wird viel zu selten erwähnt: Proxmox kommt aus Österreich, ist vollständig Open Source unter AGPL v3, und ich kann – wenn ich will – in den Quellcode reinschauen. Ich kann nachvollziehen, was das Produkt tut. Ich bin nicht auf den guten Willen eines Herstellers angewiesen, der mir erklärt, was in seiner Black Box passiert.

In einer Zeit, in der Datensouveränität und digitale Unabhängigkeit immer größere Rollen spielen, ist das kein unwichtiger Punkt. Wir haben hier ein europäisches Produkt, das technisch mit proprietären Enterprise-Lösungen mithalten kann. Das sollte man wertschätzen.

Kernel-Fixes und Security-Patches: Proxmox schlägt Enterprise-Support-Zyklen

Ein weiterer Punkt, der in meinen Augen unterschätzt wird: Wenn eine kritische Sicherheitslücke im Linux-Kernel auftaucht, hat Proxmox einen Patch oft innerhalb von Stunden oder wenigen Tagen ausgerollt. Das ist das Privileg von Open Source auf Debian-Basis – die Upstream-Fixes landen direkt durch, ohne dass ein Hersteller-Gremium entscheiden muss, wann der nächste Update-Zyklus planmäßig ist.

Bei proprietären Enterprise-Produkten läuft das anders. Da warten Patches auf interne Validierungsprozesse, Zertifizierungszyklen und Release-Windows. Das kann Wochen dauern. In der IT-Security ist das ein Unterschied, der zählt.

Ist Enterprise-Support wirklich besser als eine gute Community?

Das ist meine persönlichste Meinung in diesem ganzen Artikel – und ich sage sie trotzdem:

Ich bin nicht davon überzeugt, dass ein Enterprise-Support-Vertrag automatisch besser ist als eine starke Community. Wenn ich ein Problem mit Proxmox habe, stelle ich es im Forum oder auf Reddit und bekomme innerhalb kurzer Zeit Antworten von Leuten, die die Plattform täglich in Produktion betreiben – von Admins, die exakt dieses Problem bereits hatten. Das ist manchmal wertvoller als ein Support-Ticket, das nach definierten Prozessen bearbeitet wird.

Das bedeutet nicht, dass Enterprise-Support sinnlos ist. Für Unternehmen, die intern kein tiefes Linux-Know-how haben und eine vertragliche Absicherung brauchen, ist er richtig und wichtig. Aber der reflexartige Gedanke, dass „Enterprise-Support = besser“ stimmt nicht pauschal. Manchmal sind drei erfahrene Leute in einem Forum schneller und präziser als ein Support-Portal mit SLA.

Wann HPE VM Essentials trotzdem Sinn ergibt

Ich will fair bleiben: Wenn ihr gerade 400 VMware-VMs betreibt, euer Team VMware in- und auswendig kennt und ihr den Migrationsrisiken nicht ohne parallelen Betrieb ins Gesicht schauen wollt – dann ist HPE VM Essentials ein seriöser Weg. Die parallele Verwaltung von VMware und HVM aus einer Oberfläche ist ein echter Vorteil, den Proxmox nicht bietet.