IPv6 bringt gegenüber IPv4 viele Vorteile, hat aber auch einen Nachteil aus Sicht der Privatsphäre:
Die standardmäßige, feste IPv6-Adresse eines Systems bleibt oft über lange Zeit gleich und kann zur Wiedererkennung eines Geräts genutzt werden. Webseiten erkennen dich über die IP-Adresse sehr einfach wieder.
Debian 13 (auch andere Versionen) unterstützt deshalb sogenannte IPv6 Privacy Extensions. Dabei werden zusätzliche, temporäre IPv6-Adressen erzeugt, die regelmäßig wechseln und so das Tracking erschweren.
Was sind IPv6 Privacy Extensions?
IPv6 Privacy Extensions:
- erzeugen zufällige temporäre IPv6-Adressen
- werden für die ausgehenden Verbindungen genutzt
- wechseln automatisch nach einer bestimmten Zeit
- verhindern langfristige Geräteidentifikation
Die fest von dir eingerichtete IPv6-Adresse bleibt weiterhin vorhanden, wird aber bevorzugt nicht für ausgehenden Traffic verwendet.
root@sys:~# sysctl net.ipv6.conf.all.use_tempaddr
root@sys:~# sysctl net.ipv6.conf.default.use_tempaddr
net.ipv6.conf.all.use_tempaddr = 0
net.ipv6.conf.default.use_tempaddr = 0
Mögliche Werte bei der Ausgabe:
0 → deaktiviert
1 → bevorzugt stabile Adresse
2 → temporäre Adresse bevorzugen (empfohlen)Temporäre IPv6-Adressen aktivieren (empfohlen)
So aktivierst du die Option erst einmal nur temporär und kannst dich ausprobieren und sehen, wie das System nach und nach IP-Adressen erstellt.
sysctl -w net.ipv6.conf.all.use_tempaddr=2
sysctl -w net.ipv6.conf.default.use_tempaddr=2Dauerhaft temporäre IPv6-Adressen aktivieren
Wir können auch diese zwei Optionen fest in die Datei sysctl.conf eintragen, dann sind diese Werte auch nach einem Reboot wieder sofort gültig.
nano /etc/sysctl.conf
net.ipv6.conf.all.use_tempaddr = 2
net.ipv6.conf.default.use_tempaddr = 2
# Speichern
sysctl -pGültigkeitsdauer temporärer IPv6-Adressen anpassen
Die vorgegebenen Standardwerte sind meist ausreichend, können aber angepasst werden:
sysctl -w net.ipv6.conf.all.temp_valid_lft=86400
sysctl -w net.ipv6.conf.all.temp_prefered_lft=43200
Auch hier wieder, entweder nur temporär eintragen oder direkt in die sysctl.conf Dateitemp_valid_lft– maximale Lebensdauer (Sekunden)temp_prefered_lft– bevorzugte Nutzungsdauer
Wie sehe ich ob die Privacy Extension greift?
Das System erstellt nun von ganz alleine temporäre IPv6-Adressen. Kontrollieren kannst du das indem du auf deine IP-Konfiguration schaust. Achte dabei besonders auf die Information „scope global temporary„
ip -6 addr show
2: enp0s31f6: <BROADCAST,MULTICAST,UP,LOWER_UP> mtu 1500
inet6 fe80::a00:27ff:fe4e:66a1/64 scope link
valid_lft forever preferred_lft forever
inet6 2001:db8:abcd:1234:1a2b:3c4d:5e6f:7890/64 scope global dynamic
valid_lft 86395sec preferred_lft 14395sec
inet6 2001:db8:abcd:1234:9f3a:72c1:b4e8:aa21/64 scope global temporary dynamic
valid_lft 86395sec preferred_lft 43195secscope global dynamic
→ stabile, vom Router vergebene IPv6-Adresse (SLAAC)
scope global temporary dynamic
→ temporäre IPv6-Adresse (Privacy Extension)
→ wird für ausgehende Verbindungen bevorzugt
preferred_lft
→ Zeitraum, in dem die Adresse aktiv genutzt wird
valid_lft
→ maximale Lebensdauer der Adresse



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