Ich hab mal wieder ein Kistchen hier stehen: den GMKtec NucBox G11 mit AMD Ryzen Embedded R2514, 16 GB RAM und 512 GB SSD. Die CPU kam mir bekannt vor – genau der Chip steckt auch im UGREEN NASync DXP4800 GT, den ich im Juni hier hatte. Nur sitzt er diesmal in einem kleinen Server für den Schrank.

Das Wichtigste in Kürze

Ein Zen+-Vierkerner mit 8 Threads, 2,1 bis 3,7 GHz. Die Architektur ist von 2019, das merkst du auch. Dazu 16 GB DDR4 auf zwei Riegeln, also sauber im Dual-Channel, und eine 512-GB-NVMe mit PCIe 3.0 x4.

Der eigentliche Grund, warum ich mir das Ding angeschaut hab: zwei native 2,5-Gigabit-Ports. Für einen Proxmox-Knoten mit getrenntem Management- und VM-Netz ist das in der Preisklasse eine Ansage. Im BIOS kannst du außerdem zwischen 15, 20 und 25 Watt umschalten.

Gemessen statt abgeschrieben

Wie immer: Debian 13 drauf, per SSH rein, die üblichen Verdächtigen laufen lassen.

taskset -c 0 sysbench cpu --threads=1 run
sysbench memory run
fio --name=sustained --rw=write --bs=1M --size=120G --direct=1 --ioengine=libaio --iodepth=8

Der Stromverbrauch hat mich echt überrascht: 3,62 Watt im Leerlauf, 19,95 Watt unter Volllast – bockstabil über Minuten. Das ist Package-Leistung, nicht Steckdose, aber für eine Kiste, die 24/7 durchläuft, eine Hausnummer.

Die Kühlung langweilt sich: nach drei Minuten Dauerlast 54 Grad, Takt konstant bei 2,2 GHz. Kein Throttling. Zur Gegenprobe noch den performance-Governor draufgeworfen – null Mehrleistung. Heißt: Das Ding hängt am Watt-Limit, nicht an der Wärme.

Im Netzwerk kamen 2,26 Gbit/s im iperf3 raus, Fehlerzähler bei null. Der 2,5G-Link ist damit ausgereizt.

Und jetzt der Teil, der mich am meisten gefreut hat: Beim RAM liegt der G11 bei 6322 MB/s, das UGREEN mit derselben CPU nur bei 5920 – obwohl im G11 der langsamere Speicher steckt. GMKtec bestückt eben beide Bänke, UGREEN nur eine. Dual- gegen Single-Channel, und schon sind die höheren Taktraten aufgefressen.

Wo GMKtec dann aber schummelt

Beworben wird der G11 mit „Dual M.2 2280 PCIe 3.0″. Ist aber nicht so. Der R2514 stellt genau vier PCIe-Ports bereit, und die sind restlos verplant: vier Lanes für die NVMe, je einer für WLAN und die beiden Netzwerkchips. Für einen zweiten NVMe-Slot bleibt keine einzige Lane übrig.

Was das System dagegen meldet, ist ein freier SATA-Port. Der zweite M.2-Platz ist also ziemlich sicher M.2-SATA – im Kleingedruckten schreibt GMKtec das sogar selbst. Heißt für dich: maximal ~550 MB/s, und du brauchst ein M.2-SATA-Modul. Für einen ZFS-Mirror aus zwei schnellen NVMe: Finger weg.

Zweite Sache: Das BIOS zwackt sich fest 4 GB für die Grafik ab. Von 16 GB bleiben dem System also nur 11,6 GB. Und AV1 kann die Vega-Grafik nicht – weder rein noch raus. Für Jellyfin-Leute mit AV1-Material ein K.-o.-Kriterium.

Und der Preis?

Rund 410 Euro. Für die reine Rechenleistung kein Schnäppchen – eine Zen+-CPU von 2019 gibt’s günstiger. Du zahlst hier für die zwei 2,5G-Ports, das Dual-Channel-RAM ab Werk und einen Leerlaufverbrauch, der im Schrank nicht auffällt. Für einen leisen Proxmox- oder Docker-Knoten eine runde Sache. Wenn du Single-Core-Power, AV1 oder mehr als 32 GB RAM brauchst: was Aktuelleres nehmen.

Alle Details und Messwerte gibt’s auf hardware64.de

Die komplette Spec-Liste, sämtliche Messwerte – NVMe-IOPS, Transcoding, Temperaturen – und den direkten Vergleich zum UGREEN findest du hier:

👉 GMKtec NucBox G11 – alle Messwerte und Spezifikationen